Pro & Contra: 50+1-Regel im deutschen Profifußball

Die 50+1-Regelung im deutschen Profifußball besagt, dass immer der Hauptverein und damit die Mitglieder mehr als die Hälfte der Stimmanteile an einem Profiklub halten muss. So soll finanzkräftigen Investoren Einhalt geboten werden. Diese Regulierung ist innerhalb der höchsten europäischen Ligen einzigartig.

In England oder Spanien sind die Profiklubs teilweise sogar in der Hand eines einzigen Eigners, der dadurch eine relativ große Macht über den Verein hat. Auch hierzulande gibt es immer wieder Forderungen, die 50+1-Regelung abzuschaffen, etwa von Fußball-Managern der sportlich führenden Klubs. Sie erhoffen sich dadurch, die Lücke zur ausländischen Konkurrenz zu schließen. Die Sportökonomen Jörn Quitzau und Frank Daumann sind unterschiedlicher Meinung, ob die 50+1-Regel im deutschen Profifußball sinnvoll ist oder nicht.

Hinweis: Pro & Contra wurde zusammengestellt von Jörg Rieger, Würzburg. Es erschien in Heft 10 (2021) der Fachzeitschrift WiSt.

Lesen Sie das Pro & Contra im Ökonomen-Blog „Wirtschaftliche Freiheit“.

Kommerzialisierung des Fußballs

Der Profifußball entwickelt sich immer mehr vom Sport zum Show-Event. Verantwortlich dafür ist die professionelle Vermarktung, die fortschreitende Kommerzialisierung. Einerseits ist die Kommerzialisierung wichtig, um im finanziellen und sportlichen Wettbewerb mit ausländischen Vereinen mithalten zu können, andererseits steigen dadurch auch die Verpflichtungen für die Vereine, Spieler und Funktionäre gegenüber sportfremden Interessenten. Wirtschaft und Politik haben inzwischen einen erheblichen Einfluss auf das, was im Profifußball geschieht.

Auf der Strecke bleiben dabei manches Mal Fußballtradition und insbesondere der eigentliche Fan. Von Zeit zu Zeit werden deshalb Fan-Initiativen gestartet, die sich im Kern gegen die Vereinnahmung des Fußballs durch alle möglichen – aus ihrer Sicht – „Trittbrettfahrer“ richten. Fraglich ist, wie weit der Spagat zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Notwendigkeiten auf der einen, und den Interessen der ursprünglichen Fans auf der anderen Seite gehen kann. Wie viel Kommerz ist gesund? Wo beginnt der Fußball seine Seele zu verkaufen? Diesen Fragen soll an dieser Stelle in Zukunft nachgegangen werden.